So aufdringlich ihm das Gebahren der Krugwirtin zu sein schien, so fühlte er sich doch keineswegs verletzt oder gefangen wie durch das Gebahren einer Dirne. Er sah sich im Netze der Krugwirtin und hatte nicht das Verlangen, sich daraus zu befreien. »Es ist eine natürliche innerlich gerechtfertigte Brunst, die uns zueinander treibt, vielleicht tierisch, aber eigentlich – echt menschlich« sagte er sich.
Und er sprach mit der Krugwirtin, als ob sie beide nur auf einander gewartet hätten. Es war selbstverständlich, daß sie sich nach dem Tanze trafen; ein anderes wäre ihm jetzt naturwidrig erschienen. Warum, wußte er nicht, er fühlte, daß die Moorluft zu den offenen Fenstern in den Tanzsaal hineindrang wie ein narkotisches Parfüm und seine Sinne erregte.
»Bleibe etwas zurück, am Eingang zum Knüppeldamm am Weidenbusch, da sieht Dich niemand, da warte auf mich! – Mein Mann muß erst hinaufgehen.« Sie trat dicht an ihn heran und sprach es mit heißem Atem beim Abschied. Gegen die sinnliche Macht dieser Worte gab es keinen Widerstand, das fühlte er, und nur wie an einen unwirklichen Traum dachte er flüchtig einige Augenblicke an das Schicksal mancher Burschen aus Flörsdorf, ja zugleich ertappte er sich dabei, daß ihn die Gefahr doppelt reizte. Die Krugwirtin schien ihm ein Leben wert. Und – er stand im Schatten des Weidenbusches am Eingang des Knüppeldammes, sah die Silhouetten der anderen Burschen im hellen Mondlicht immer kleiner werdend und wartete…
Er wartete und fieberte und konnte sich nicht vorstellen, was er machen würde, wenn die Krugwirtin nicht käme, aber das schien ihm unmöglich. Und die Krugwirtin kam, als der letzte Juchzer der Burschen in weiter Ferne verhallt war.
Ein unglaublich tierisches Gefühl überkam ihn, als er sie in seine Arme schloß. Sie wehrte leicht und zog ihn vorsichtig auf einen schmalen Seitenweg an blinkendem Wasser und schwammigen Boden vorbei.