Wir sind los. Die Untersegel und Toppsegel sind gesetzt, der korallenbehangene Anker baumelt vom Bug; und zusammen werden die drei Oberbramsegel der Brise übergeben, die uns auf die See hinaus folgt wie das Gebell eines Hundes. Das Segeltuch spreitet sich – nach unten, nach oben –, beidseitig von der Spiere gestreckt, mit zahlreichen Leesegeln; bis wir wie der Habicht mit schwebenden Schwingen die See mit unseren Segeln überschatten und wirbelnd die salzige Flut durchpflügen.
Doch woher des Wegs – und wohin zieht ihr, Seeleute?
Wir segeln von Ravavai her, einer Insel im Meere, nicht weit nördlich vom Wendekreis des Steinbocks, nicht sehr weit westlich von Pitcairn’s Island, wo die Meuterer der Bounty siedelten. In Ravavai war ich einige Monate zuvor an Land gegangen; und nun war ich eingeschifft zu einer Kreuzfahrt nach dem Wal, dessen Hirn die Welt erhellt.
Und von Ravavai aus segeln wir nach den Galapagos-Inseln, auch Encantadas, Verhexte Inseln, genannt, der vielen Strömungen und Strudel wegen, die dort anzutreffen sind.
Im Umkreis dieser Inseln, die einst Dampier betrat, wo die spanischen Bukanier einst ihre Gold-Moidore aufhäuften, ist nun zu manchen Zeiten der Kaschelott oder Pottwal in reicher Fülle vorhanden.
Doch dorthin kann dein Schiff von Ravavai aus nicht fliegen wie die Möwe, die geradewegs ihrem Nest zustrebt. Denn wegen der vorherrschenden Passate sind Schiffe, die aus der Gegend von Ravavai gen Nordosten fahren, zu einem beträchtlichen Umweg genötigt – ein paar tausend Meilen in etwa. Zunächst halten sie mit voller Kraft auf Süd zu, um wechselnden Winden nachzujagen; und steuern dort, wenn sie eine vereinzelte Brise erhaschen, auf das offene Meer, dann schlagen sie nach Ost um, die Ruder nach Luv, und flugs die Küste entlang, auf den Äquator zu.
Diesen Umweg nahm auch die Arcturion. Und wahrlich, er war beschwerlich und öde. Nie zuvor war uns der Ozean derart eintönig erschienen; dem Schicksal sei Dank: nie zuvor.
Doch bravo; im Verlauf von zwei Wochen ein Ereignis! Als wir dahinsegelten, tauchte aus dem Grau des Meeres, direkt vor uns, ein dunkler Gegenstand aus dem Meer auf, hielt sich undeutlich vor uns, oben von Nebelschleiern bekränzt und unten vom Schaum der Brecher umspült. Wir wandten uns seitwärts und passierten schließlich bei Dämmerung Massafuero. Mit einem Fernglas erspähten wir zwei oder drei einzeln lebende Ziegen, die sich durch eine Felsschlucht auf gewundenem Weg zum Meer hinab bewegten. Und jetzt ein Signal: eine zerlumpte Flagge auf einem Hügel dahinter. Doch obwohl wir wußten, daß außer zwei oder drei dem Strang entronnene Sträflinge aus Chile nie-mand auf der Insel war, hatte unser Kapitän keine Lust, ihrer Einladung zur Landung stattzugeben. Obwohl er vielleicht falsch damit lag, kein Boot mit seiner Visitenkarte loszuschicken.
Ein paar Tage später ›nahmen‹ wir den Passat. Wie so oft überkam er uns in einer heftigen Böe – wie eine unwirsch gewährte Gunstbezeigung. Dieser Windstoß riß eine unserer Spieren weg, hob unseren alten Koch von den Beinen und fegte ihn ohne Umschweife zu den leeseitigen Speigatts.
Da wir schnell den gewünschten Längengrad am Äquator, ein paar Meilen westlich der Galapagos-Inseln, erreicht hatten, verbrachten wir mehrere Wochen damit, in nutzloser Suche nach unserer Beute kreuz und quer über den Äquator zu jagen. Manche dieser Jäger glauben wohl, daß der Ozean Wale führe wie die peruanische Erde Silbererzflöze. So querten wir, Tag um Tag und Woche um Woche, die immerselbe Schnittstelle des Längengrades mit dem immerselben Äquator; bis wir fast hätten schwören mögen, daß wir jedesmal das Anstoßen des Schiffskiels verspürten, wenn wir diese imaginäre Stelle kreuzten.
Schließlich schlugen wir uns schnurstracks am Äquator entlang, segelten vor einer der dortigen Brisen, steuerten westwärts, spähten nach rechts und spähten nach links, doch sahen nichts.
Während dieser öden Zeit erlebte ich die ersten Symptome dieses bitteren Unwillens unserem eintönigen Schiff gegenüber, die letzten Endes zu den hier berichteten Abenteuern führte.