Mit seiner Verhaftung hörten alle jene rätselhaften, unbegreiflichen Diebstähle in unserer Stadt auf.« – Beweis genug, hieß es, daß er, wenn man auch die Brillanten nicht bei ihm gefunden hatte, der Täter gewesen sein mußte, mit einem Raffinement und einer Fingerfertigkeit begabt, die kein Gegenstück in der modernen Verbrecherwelt fand – und das will was heißen!
Es handelte sich um Brillanten von größerem Wert, nur solche ließ der Herr verschwinden, und wie sich unsere Goldschmiede und Juweliere auch zu schützen suchten, es gelang diesem Meisterdieb doch, diese oder jene Steine an sich zu bringen. Similibrillanten wußte er, scheinbar auf den ersten Blick, als solche zu erkennen. Man stellte ihm Fallen damit, aber er fiel nicht darauf herein!
Man versah Türen und Auslagekasten mit elektrischer Leitung, ein Klingelzeichen verkündete ihre Berührung. Sogar die wertvollen Schmuck enthaltenden Kästchen wurden auf diese Weise gesichert, schon die geringste Verminderung des Gewichtes eines Schmuckes hätte genügt, die Klingel in Bewegung zu setzen – alles das half kurze Zeit, doch in dem Maße, wie das Gefühl der Sicherheit zunahm und die Wachsamkeit sich dagegen abschwächte, begannen die Diebstähle aufs neue und blieben jahrelang an der Tagesordnung. Unsere Polizei war außer sich, wurde sie doch zum Gespött des Publikums, der Nachbarstädte, ja des ganzen Landes!
Von auswärts kamen Privatsdetektive – aber auch ihre Kunst scheiterte an der Geschicklichkeit des Diamantendiebes, der sich nicht scheute, sogar in Gesellschaften und auf Bällen der oberen Zehntausend sein Gewerbe zu treiben – wenigstens schob man seiner Tätigkeit die bei solchen Gelegenheiten vielleicht verlorenen Schmuckstücke in die Schuhe, wie sich denn auch schon eine Legende um die Person des Diebes zu ranken begann, wozu die Phantasie des Volkes leicht neigt. Jedenfalls aber bildeten diese Vorkommnisse in ihrer bemerkenswerten Häufigkeit eine Parallele zu den Brillantendiebstählen bei den Juwelieren.
Letzteren wurde aber nie der ganze Schmuck, sondern immer nur das Hauptstück, der beste der Steine gestohlen, indem er einfach aus der Fassung gebrochen war. Diese und die minderwertigen Diamanten, aber auch wertvolle Rubine und Smaragden ließ der Dieb zurück, wo sie standen – und kein Klingelzeichen hatte ihn je bei seiner Arbeit gemeldet!
Ein Druck, eine unerträgliche Schwüle lastete dadurch auf unserer heimgesuchten Stadt. Ja, es war förmlich eine Heimsuchung schon insofern, als dadurch das gegenseitige Vertrauen untergraben wurde und gemeine Menschen Gelegenheit fanden, ihr Mütchen an ihren Feinden zu kühlen, indem sie den Staatsanwalt mit offenen und anonymen Anzeigen überschütteten, auf welche letzterer in der ersten Zeit – leider – einging, jedoch immer ohne Resultat, dadurch aber in viele Familien Schreck, Ärger und Verbitterung gegen Behörde und Mitmenschen tragend!