Leseprobe

Buchcover

Joseph Conrad & Ford Madox Ford

Bezauberung

Was bedeuten mir schon gestern und heute? Zu diesen Tagen sage ich mein höfliches »vaya usted con Dios«. Aber jenen weit zurückliegenden Tag meiner Bezauberung, als ich zwischen den blauen und weißen Ballen in Don Ramons düsterem Lagerraum in Kingston stand und in der sich öffnenden Tür die Gestalt eines alten Mannes mit müdem, langem und fahlem Gesicht erblickte, diesen Tag werde ich wahrscheinlich nicht vergessen. Ich erinnere mich an das kühle Odeur dieses für Westindien typischen Ladens, den unbeschreiblichen Geruch nach feuchter Düsternis, nach locos, Piment, Olivenöl, nach neuem Zucker, neuem Rum; erinnere mich an den gläsernen Doppelglanz von Ramons großer Brille, an den durchdringenden Blick in dem Mahagony-Gesicht, während das Tock-tock-tock eines Stockes auf den Fliesen hinter der Innentür nicht stocken wollte; erinnere mich an das Klicken der Klinke, den Lichtstrom, der hereinbrach. Die unwirsch nach innen aufgestoßene Tür prallte gegen einige Fässer. Ich erinnere mich an das Klappern der Riegel an dieser Tür, an die große Gestalt, die darin erschien, mit der Schnupftabaksdose in der Hand. In diesem Land der weißen Kleidung war dieser strenge, altertümliche Kastilier in Schwarz schon etwas, das man in Erinnerung behielt. Der schwarze Stock, Ursache des Klopfens, hing an einer Seidenschnur von der Hand herab, deren delikat blaugeädertes, faltiges Gelenk sich in einen Schaum von Batistrüschen zurückzog. Die andere Hand verharrte in ihrem Tun: eine Prise Schnupftabak zu den Öffnungen dieser Hakennase zu befördern, deren Haut sich straff über das Nasenbein spannte und die den Glanz von altem Elfenbein aufwies. Der Ellbogen preßte den schwarzen Dreispitz gegen die Seite; ein Bein war angewinkelt, das andere ein wenig zurückgebogen – dies war die Haltung von Seraphinas Vater.
Nachdem er ungestüm die Tür des Innenraums aufgestoßen hatte, blieb er reglos stehen und zeigte keine Neigung, einzutreten; er rief mit schroffer Greisenstimme: »Señor Ramon!…«