Viel zu früh. Das verstehe ich als unverschämt großzügigen Vorschuß auf diesen Tag, der noch gar nicht richtig da ist. Gutgelaunt und gönnerhaft sitze ich am Tisch, als ginge selbst der Lärm der frühen Vögel auf meine Rechnung. So erwacht auch unsere randständige Weltecke zum Leben: unter übertrieben euphorischem Vogelsang.
Aus vielen Schornsteinen steigen noch ganz farblose Fäden bleichen Rauchs in den heraufdämmernden Morgen. An diesen zarten Fäden hängen die langen Zeilen dreigeschossiger Siedlungshäuser, zu beiden Seiten des Königsberger Stieges, vom bleichen Himmel. Auf niedergemähten, mageren Grünstreifen vor den Häusern weidet kugeliges Buschzeug. Das aussieht, als könne es einsetzender Präriewind jederzeit durch die Straßen treiben. Ein paar Mickerbirken im besten Mannesalter rascheln dürr mit lichtem Laub.
Die langen Parallelen der Häuser fluchten mit ihrer fensterlosen Schmalseite, dem stumpfen Bug, auf die große Ausfallstraße zu. Hier brandet, ihnen vor der Stirn, das städtische Straßenrandgrün auf. Mehr so ein Lärmschutzgrün. Woraus jetzt unverdrossen der jubilierende Lärm der Drosseln platzt. Manchmal blüht es fahlgelb bis schmutzigweiß. Manchmal riecht es klebrig und vergoren. Immer ist es grau, das Immergrün.